Friedrich Merz wird neuer CDU-Vorsitzender. Wie kommt die CSU damit zurecht? Alexander Dobrindt gibt im Interview des Merkurs den Kurs vor.
 

Die CDU wählt Merz. Wie ist Ihr Gemütszustand? Euphorisch oder entsetzt?

Ausgesprochen gut gelaunt. Ich freue mich über diese Entscheidung der CDU,
weil ich eine exzellente Zusammenarbeit mit Friedrich Merz erwarte. Mit ihm
zusammen als CDU und CSU, können wir die links-gelbe Bundesregierung
konstruktiv und kritisch herausfordern.

Wen hätten Sie gewählt?

Ich habe persönlich viel Sympathie für Friedrich Merz. Gerade aus einer
Krise heraus ist sein wirtschaftspolitischer Kurs wichtig, eng verbunden mit
einem klaren Bekenntnis zum sozialen Ausgleich. Das wird ein kluges
Kontrastprogramm zu den Ampelmännern, die die gesellschaftliche Mitte an den
Rand drängen wollen.

Gibt es nun eine Arbeitsteilung: Merz holzt als Oppositionschef, Söder tritt
staatstragender auf?

Beide werden sich ergänzen. Das kann ein sehr erfolgreiches Team der
bürgerlichen Politik sein. Die Union braucht gerade jetzt wieder die klare
Kante und die maximale politische Breite. Es stehen bereits in der ersten
Jahreshälfte 2022 herausfordernde Landtagswahlen vor uns in NRW, Saarland
und Schleswig-Holstein.

Ach. Im Wahlkampf klang das noch anders. Da gab es sehr hämische Bemerkungen
von Söder über Merz.

Es macht keinen Sinn, zurückzublicken. Wir haben lebhafte Zeiten hinter uns,
die auch zusammenhingen mit der nicht glücklichen Entscheidung über die
Kanzlerkandidatur. Jetzt braucht es eine geschlossene Union als einige Kraft
der gesellschaftlichen Mitte Deutschlands.

Ist es nicht irgendwie komisch für Sie, dass der CDU-Chef konservativer ist
als der CSU-Chef?

Nochmal: Es geht um die kluge Ergänzung und das Miteinander. Beide Parteien
sind liberal, christlich-sozial und bürgerlich-konservativ. Diese Wurzeln
werden wir auch gemeinsam weiter vertreten. 

Merz im dritten Anlauf CDU-Chef – war das der Bruch mit der Ära Merkel?

Spätestens mit der Wahl von Olaf Scholz zum Bundeskanzler und den
triumphierenden Gesichtern der Ampelmänner war für alle Menschen deutlichst
erkennbar, dass eine Ära zu Ende gegangen ist.

Dann fragen wir präziser: Bricht die CDU mit der Ära Merkel?

Nein. Ganz im Gegenteil. Die 16 Jahre mit Angela Merkel hatten Höhen und
Tiefen, auch im Verhältnis mit der CSU. Aber unter dem Strich heißt die
Bilanz: Es waren gute Jahre für Deutschland mit Angela Merkel.

Wird oder soll Friedrich Merz nach dem Fraktionsvorsitz greifen?

Es gibt keinen Automatismus in dieser Frage. Entscheidungen stehen im April
an. Ich sehe keine Notwendigkeit, sich da jetzt Gedanken zu machen.

Aber die Kanzlerkandidatur der Union dürfte jetzt entschieden sein?

Auch das steht zurzeit nicht an. Die Union muss erst mal deutlich an
Zustimmung gegenüber Linksgelb gewinnen. Aber ich gehe davon aus, dass der
neue CDU-Vorsitzende auch den ersten Anspruch auf die Kanzlerkandidatur 2025
erheben wird.
 

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