Für CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt ist es nach 30 Jahren im Bundestag an der Zeit, das "Staffelholz an Jüngere weiterzugeben". Focus online interviewte 40 Abgeordnete, die 2017 aus dem Bundestag ausscheiden, darunter auch die CSU-Landesgruppenchefin. Hier lesen Sie das gesamte Interview mit Gerda Hasselfeldt:

1) Wie lange waren Sie MdB und in welchem Wahlkreis?

Ich bin seit März 1987 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 1990 direkt gewählte Abgeordnete im Wahlkreis Fürstenfeldbruck/Dachau.

2) Was hat Sie bewogen, 2017 nicht mehr für einen Sitz im Bundestag zu kandidieren?

Nach 30 Jahren im Deutschen Bundestag und vielen politischen Ämtern glaube ich, dass es nun an der Zeit ist, das Staffelholz an Jüngere weiterzugeben. Ich finde es besser, dann zu gehen, wenn die Leute sagen „ist schade, aber wir verstehen es.“

3) Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach dem Bundestag?

Ich habe noch keine Pläne gemacht, sondern lasse das alles auf mich zu kommen. Aber natürlich freue ich mich darauf, wieder Herr über meinen Kalender zu sein.

4) Was werden Sie vermissen, wenn Sie nicht mehr MdB sind?

Ob ich etwas vermissen werde, wird sich dann erst zeigen.

5) Wenn Sie an Ihre bisherige Zeit im Bundestag zurückdenken: Welcher Moment, welche Rede, welches Ereignis o.ä. im Parlament ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben? Warum?

Die Zeit des Mauerfalls und die Phase der Wiedervereinigung war ein ganz besonderer Moment. Als Helmut Kohl Ende November 1989 seinen 10-Punkte-Plan im Bundestag vorstellte war mir klar, hier werden unumkehrbar historische Entwicklungen in Gang gesetzt und wir sind alle unmittelbar dabei. Eine faszinierende Zeit war das und sicherlich auch einmalig in einem Politikerleben.

6) Welche Entscheidung fiel Ihnen am schwersten?

Gewissensentscheidungen sind immer eine besondere Herausforderung für Politiker, weil sie einen besonders in seinem moralischen und ethischen Grundgerüst betreffen. Beispielsweise Fragen der Stammzellenforschung oder der Sterbehilfe.

7) Gibt es eine Entscheidung (z.B. eine Abstimmung), die Sie heute bereuen? Wenn ja, welche?

Die Hauptstadtentscheidung: Ich habe damals für Bonn als Hauptstadt gestimmt, mehr aus strukturpolitischen Überlegungen für die Bonner Region. Heute ist mir klar, Berlin ist die richtige Hauptstadt für Deutschland. Mittlerweile bin ich froh, dass die Mehrheit damals so entschieden hat.

8) Welche(n) Fehler würden Sie heute nicht mehr machen?

Ich würde mich nicht mehr so von Termin zu Termin treiben lassen.

Das Interview bei Focus online

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