Franz Josef Strauß war Konservativer und progressiver Visionär in einem. Sein Erbe ist Anspruch und Verpflichtung – bis heute.

Ein Ausnahmetalent

„Wie eine Eiche ist er vor uns gestanden, kraftvoll, lebendig, unverwüstlich, so schien es, und wie eine Eiche ist er gefällt worden.“ Mit diesen Worten gedachte Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., in seiner Predigt in der Münchner Frauenkirche dem am 3. Oktober 1988 auf einem Jagdausflug völlig überraschend verstorbenen bayerischen Landesvater Franz Josef Strauß. Sein Tod traf die Bevölkerung des Freistaats gänzlich unerwartet, der Schock saß tief. Mit ihm war einer der letzten bedeutenden „Gründerväter“ der Bundesrepublik gestorben, ein Mann der sich um Bayern, Deutschland und Europa verdient gemacht hat. Durch seine lange politische Verantwortung im Bund und an der Spitze des Freistaates hatte er die deutsche Politik über Jahrzehnte maßgeblich beeinflusst und geprägt. Schon früh konnte man erkennen, dass Franz Josef Strauß zu Höherem berufen war. So legte der junge Strauß 1935 die Reifeprüfung als Jahrgangsbester ab und wurde anschließend in der prestigeträchtigen Studienstiftung „Maximilianeum“ aufgenommen. Sein Studium wurde durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zeitweise unterbrochen, seine Dissertation fiel einem Bombenangriff zum Opfer. Ab 1941 nahm Franz Josef Strauß am Russlandfeldzug teil und kämpfte an der Ostfront. Nach Kriegsende machte er im amerikanisch besetzten Bayern politisch schnell Karriere und zog 1949 für die CSU in den Bundestag ein. In Bonn machte der junge Strauß schnell auf sich aufmerksam und auch in der Partei ging es für Strauß aufwärts. 1961 wurde er in München zum Vorsitzenden der CSU gewählt und begann damit die Partei zu reformieren.

Vater der Volkspartei

Strauß ist der Vater der bayerischen Volkspartei, der Marke CSU. Im Land und im Bund. Die Zersplitterung der Parteienlandschaft in der jungen Weimarer Republik, die Unfähigkeit der damaligen Parteien zum Kompromiss und das Überrollen dieser Klientelparteien durch die Nationalsozialisten haben in Franz Josef Strauß die Überzeugung geprägt, die Interessen des gesamten Volkes vertreten zu wollen, die konfessionellen Grenzen zu überwinden, die verschiedenen Bevölkerungsschichten miteinander zu verbinden und den Ausgleich zu suchen. Strauß wusste, dass Volkspartei nicht einfach bedeute, möglichst viele Facetten durch Einebnung miteinander zu vereinigen. Sondern Volkspartei hieß für ihn, die gesamte Bandbreite der Politik mit klaren Positionen aktiv zu besetzen und zu gestalten. Dem Volk aufs Maul schauen, aber ihm nicht nach dem Munde reden, wie Strauß zu sagen pflegte. Während Strauß heute gerne als letzter Konservativer gefeiert wird, so muss man allerdings auch feststellen, dass er in weiten Teilen auch ein progressiver Visionär war, teilweise seiner Zeit weit voraus. Strauß war von Anfang an ein Modernisierer seiner Partei. Auf ihn geht zurück, dass die CSU zwar ausschließlich in Bayern antritt, aber bis heute einen nationalen Anspruch verkörpert und sich eine europäische Identität bewahrt.

Ein Visionär

Strauß ist zudem der Schöpfer des modernen Bayern. Strauß hat Bayern vom armen Agrarland zum aufstrebenden Industrieland gemacht. Die wirtschaftliche Entwicklung und eine ausgewogene Sozialpolitik, eine lebendige bayerische Tradition sowie eine deutsche und europäische Verpflichtung waren Grundlinien seiner Politik als Bayerischer Ministerpräsident, ein Amt, das er oftmals als „schönstes Amt der Welt“ bezeichnete. In der Deutschlandpolitik, die ihm ganz besonders am Herzen lag, erwies er sich als wahrhaft konservativer Visionär. Denn er war nie bereit, die Einheit Deutschlands zur Disposition zu stellen. Er hat den Glauben an eine Überwindung der deutschen Teilung und damit an die Wiedervereinigung nie aufgegeben. Er sollte, auch wenn es ihm nicht vergönnt war, die Wiedervereinigung noch mitzuerleben, Recht behalten. Seine Visionen und sein Erbe verpflichtet – bis heute. Ein Erbe, das allen Konservativen aufträgt, an der Spitze des Fortschritts zu marschieren. Ein Erbe, das Bayern als Heimat, Deutschland als Vaterland und Europa als Zukunft definiert. Diesem Erbe fühlt sich die CSU im Bundestag bis heute verpflichtet: „Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts.“

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