Der langjährige CSU-Landesgruppenvorsitzende Richard Stücklen wäre am 20. August 100 Jahre alt geworden. Er zählte 1945 zu den Mitbegründern der CSU und war von 1949 bis 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages. Die CSU-Landesgruppe leitete er von 1953 bis 1957 geschäftsführend und dann noch einmal von 1967 bis 1976. Richard Stücklen verstarb am 2. Mai 2002 im Alter von 85 Jahren.

Richard Stücklen war ein Parlamentarier der ersten Stunde. 1949 zog der CSU-Mitbegründer in den ersten Deutschen Bundestag ein, bis zum Rückzug Ende 1990 gehörte der Mittelfranke dem Parlament ohne Unterbrechung an. Lange Zeit war er damit der Politiker mit der längsten Bundestagszugehörigkeit. Erst 2014 wurde dieser Rekord von Wolfgang Schäuble überboten.

Erfinder der Postleitzahl

Zwischen 1953 und 1957 war Stücklen unter Franz Josef Strauß geschäftsführender Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag und Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. In dieser Zeit war er auch Vorsitzender des Ausschusses für Sonderfragen des Mittelstandes und damals jüngster Vorsitzender eines Bundestagsausschusses.1957 holte Bundeskanzler Adenauer ihn als Postminister ins Kabinett. Der CSU-Politiker gilt als „Erfinder der Postleitzahl“ und des telefonischen Selbstwähldienstes, der in den 60er Jahren das „Fräulein vom Amt“ ablöste.

Langjähriger CSU-Landesgruppenvorsitzender

Stücklen übernahm 1967 von Franz Josef Strauß die Leitung der CSU-Landesgruppe bis 1976 und war damit wieder Stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Im Bundestagswahlkampf 1976 gehörte er zur Regierungsmannschaft von Helmut Kohl. Nach der Bundestagswahl 1976 wurde er zum Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages gewählt. Als Karl Carstens 1979 Bundespräsident wurde, folgte ihm Stücklen als Bundestagspräsident. Drei Jahre später übernahm er nach der Bundestagswahl 1983 dann erneut das Amt des Vizepräsidenten, das er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag am 20. Dezember 1990 bekleidete.

In seine Zeit als Bundestagsvizepräsident fällt das Zitat Joschka Fischers „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!“. Stücklen hatte am 18. Oktober 1984 den grünen Abgeordneten Jürgen Reents ausgeschlossen, nachdem dieser Helmut Kohl als „von Flick freigekauft“ bezeichnet hatte. Die grüne Abgeordnete Christa Nickels versuchte daraufhin, einen Antrag auf Sitzungsunterbrechung zu stellen. Als Stücklen sie immer wieder unterbrach und ihr schließlich das Mikrofon abstellte, protestierte Fischer lautstark, woraufhin er ebenfalls ausgeschlossen wurde. Beim Hinausgehen entfuhr Fischer der bekannte Ausspruch, wofür er sich am nächsten Tag entschuldigte.

Stücklen ist stets als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag eingezogen. Er vertrat zunächst den Wahlkreis Weißenburg und ab 1976 den Wahlkreis Roth. Zuletzt erreichte er bei der Bundestagswahl 1987 in seinem Wahlkreis 59,2 % der Erststimmen.

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