Zum Meinungsaustausch zwischen bayerischen Wirtschaftsorganisationen und der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag zum Thema „Nationales Aktionsprogramm zur Alkoholprävention“
Im Anschluss an einen zweistündigen Meinungsaustausch zwischen bayerischen Wirtschaftsorganisationen und der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag zu den aktuell in der Ressortabstimmung innerhalb der Bundesregierung befindlichen Plänen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), für ein „Nationales Aktionsprogramm zur Alkoholprävention“ erklären der Präsident des Bayerischen Brauerbund e.V., Michael Weiß, und der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Dr. Peter Ramsauer:
Der Schutz vor missbräuchlichem und riskantem Alkoholkonsum ist zweifellos ein wichtiges gesamtgesellschaftliches Anliegen. Um vor allem dem zunehmenden exzessiven Konsum von Alkohol in bestimmten Gruppen von Kindern und Jugendlichen wirksam begegnen zu können, ist ein breites Bewusstsein in der Bevölkerung für einen verantwortlichen Umgang mit alkoholischen Getränken entscheidend.
Bei allen aktuellen Diskussionen um einen breiten Maßnahmen-Mix gegen den Alkoholmissbrauch darf nicht außer Acht gelassen werden: Die ganz überwiegende Mehrheit der Bevölkerung pflegt einen verantwortlichen Alkoholkonsum. Maßvoller Alkoholgenuss ist ein uraltes Kulturgut. Ihn grundsätzlich anzuprangern, ist unangebracht. Und: Der Alkoholkonsum in Deutschland ist seit Jahren rückläufig – um über 10 Prozent in den letzten 10 Jahren; auch unter Jugendlichen. Wenn zugleich die Missbrauchsfälle in Teilbereichen der Jugendlichen deutlich zunehmen, so zeigt dies eindeutig: Eine Strategie, die undifferenziert und mit zusätzlichen Restriktionen auf eine Reduzierung des Gesamtverbrauchs setzt, ist wenig erfolgversprechend.
Vordringliches Ziel muss es sein, die Vollzugsdefizite bei der Durchsetzung und Kontrolle bereits bestehender Gesetze und Vorschriften konsequent zu beseitigen. Es mangelt nicht an Gesetzen, wohl aber an ihrer Durchsetzung.
Hier und in der Bündelung von Präventionsmaßnahmen liegt der entscheidende Ansatz für gezielte Strategien gegen den Alkoholmissbrauch. Hierauf sollten die Anstrengungen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung gerichtet sein. Im Bereich der Jugendlichen sind vor allem zielgruppenspezifische Aufklärungs- und Informationskampagnen erfolgversprechend, die sowohl die Lebenswelten der Jugendlichen selbst, also z.B. Schule und Freizeiteinrichtungen erreichen, als auch vor allem auf die Erziehungskompetenz der Elternhäuser abzielen.
Gegen zusätzliche gesetzliche Restriktionen
Forderungen nach gesetzlichen Restriktionen wie etwa weiteren Werbebeschränkungen, Sponsoring-Verboten z.B. für Brauereien oder politischer Preisgestaltung über höhere Steuern tangieren wesentliche ökonomische Grundfreiheiten, ohne dass mit diesen Maßnahmen dem Problem des missbräuchlichen Umgangs mit Alkohol wirksam begegnet werden könnte.
Die Werbung für alkoholische Produkte wird bereits heute durch detaillierte gesetzliche Regelungen auf nationaler und europäischer Ebene beschränkt. Darüber hinaus haben sich u.a. die Deutschen Brauer über den Deutschen Werberat klare und überprüfbare Selbstbeschränkungen und „Verhaltensregelungen über kommerzielle Kommunikation für alkoholhaltige Getränke“ gegeben. Die Gesprächsteilnehmer bekräftigen ihre Auffassung, dass der bestehende Mix aus gesetzlichen Beschränkungen und freiwilliger Selbstverpflichtung im Bereich der Werbung für alkoholische Produkte ausreichend ist.
Ein mehr an Gesetzen kann kein Garant für ein mehr an verantwortlichem Alkoholkonsum sein. Vielmehr müssen die geltenden Schutzbestimmungen deutlich konsequenter angewandt werden – gerade im Hinblick auf Kinder- und Jugendliche.
Generalisierende und unverhältnismäßige Einschränkungen und Verbote helfen in der Sache nicht weiter. Eine Stigmatisierung des verantwortungsbewussten und kulturell gerade in der bayerischen Gesellschaft verankerten maßvollen Alkoholgenusses lehnen die Gesprächspartner einmütig ab.
An dem Gespräch auf initiative des Bayerischen Brauerbund e.V. in dessen Münchener Verbandszentrale am 26.01.2009 von 09.30 Uhr bis 11.30 Uhr nahmen teil:
Auf Seiten der bayerischen Wirtschaftsorganisationen:
- Michael Weiß, Präsident Bayerischer Brauerbund e.V.
- Ludwig Hagn, Vizepräsident Bayerischer Industrie- und Handelskammertag
- Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer Verband der Bayerischen Wirtschaft e.V.
- Dr. Markus Rick, Hauptgeschäftsführer Verband Bayerischer Zeitungsverleger e.V.
- Hans-Jürgen Bönsch, Vizepräsident Landesverband des Bayerischen Einzelhandels e.V.
- Ralf Schell, Hauptgeschäftsführer Bayer. Hotel- u. Gaststättenverband e.V.
- Dr. Werner Gloßner, Hauptgeschäftsführer Private Brauereien Bayern e.V.
Auf Seiten der CSU-Landesgruppe:
- Dr. Peter Ramsauer, Vorsitzender
- Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
- Dagmar Wöhrl, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeswirtschaftsminister
- Hartmut Koschyk, Parlamentarischer Geschäftsführer
- Dr. Georg Nüßlein, wirtschaftspolitischer Sprecher
- Max Straubinger, gesundheitspolitischer Sprecher
- Stephan Mayer, innenpolitischer Sprecher
- Klaus Hofbauer, verbraucherschutzpolitischer Sprecher
- Herbert Frankenhauser