Afghanistan ist nach wie vor der weltweit größte Opiumproduzent
Nach einem Gespräch mit dem Gründer der Kinderhilfe Afghanistan, Dr. Reinhard Erös, zur aktuellen Lage in Afghanistan erklärt der außen- und sicherheitspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Thomas Silberhorn:
Trotz umfangreicher Bemühungen ist die internationale Gemeinschaft bei der Bekämpfung des Drogenanbaus in Afghanistan bislang erfolglos geblieben. Afghanistan ist nach wie vor der weltweit größte Opiumproduzent: Circa 93 Prozent des auf dem Weltmarkt hergestellten Opiums stammen nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung aus afghanischem Mohnanbau. Der florierende Drogenhandel ist die Haupteinnahmequelle für terroristische Gruppierungen sowie organisierte Verbrecherbanden und stellt somit eines der größten Hindernisse für den Aufbau eines funktionsfähigen Staatswesens in Afghanistan dar.
Ein Umdenken bei der Drogenbekämpfung ist daher dringend erforderlich. Wir sehen in der medizinischen Nutzung des vorhandenen Mohns einen vielversprechenden Ansatz, um den Teufelskreis der afghanischen Drogenwirtschaft zu durchbrechen. Zu diesem Zweck sollten in ausgewählten Modellregionen, zum Beispiel im südlichen Landesteil, unter wissenschaftlicher Begleitung und strikter Kontrolle durch die internationale Gemeinschaft Lizenzen vergeben werden, die den Anbau von Mohn zur Herstellung von auf Opium basierenden Schmerzmitteln ermöglichen.
Die lokale Produktion dieser weltweit stark nachgefragten Morphine würde den Bauern eine alternative Einnahmequelle bieten und zur Diversifizierung der afghanischen Wirtschaft beitragen. Während bei der Heroinherstellung der Großteil der Gelder in die Taschen von Drogenbaronen und Warlords fließt, würde bei der medizinischen Nutzung der Mohnernte der erzielte Gewinn direkt den örtlichen Bauern zukommen. Die dabei generierten Einkommen könnten die Grundlage für tragfähige Entwicklung und Investitionen in den Wiederaufbau Afghanistans bilden.
Auswärtiges Amt und Entwicklungsministerium sind aufgefordert, das Modell der medizinischen Opiumnutzung in Afghanistan ernsthaft zu prüfen und sich für die Durchführung eines entsprechenden Pilotprojekts einzusetzen. Insbesondere der Amtsantritt der neuen amerikanischen Administration sollte zu Gesprächen über einen Strategiewechsel bei der Bekämpfung der afghanischen Drogenwirtschaft genutzt werden.