Künstliche Intelligenz eröffnet enorme Chancen für Wirtschaft, Gesellschaft und Innovation. Gleichzeitig stellt sie uns vor wichtige Fragen: Wie können klare Regeln geschaffen werden, die Fortschritt ermöglichen, ohne ihn zu bremsen? In seiner Rede beleuchtet Hansjörg Durz die Bedeutung einer ausgewogenen KI-Strategie für Deutschland und Europa – mit einem Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und verantwortungsvolle Regulierung.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Im letzten Sommer wurde Deutschland in Brasilien Fußballweltmeister mit einem spektakulären 11:0 gegen China. Im letzten Jahr hat bei der Roboterfußballweltmeisterschaft in Salvador das Team der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur aus Leipzig gewonnen und wurde Weltmeister. Ziel dieser Weltmeisterschaft, des sogenannten RoboCups, ist übrigens, dass die Fußballroboter den amtierenden Fußballweltmeister aus Fleisch und Blut in wenigen Jahren besiegen.

Künstliche Intelligenz verändert unsere Welt mit einer Geschwindigkeit, wie wir sie in der Geschichte technologischer Entwicklungen noch nie erlebt haben. Systeme lernen selbstständig, analysieren enorme Datenmengen und unterstützen uns bei Entscheidungen in Wirtschaft, Medizin, Forschung, Verwaltung und auch im Sport. Doch gerade weil diese Technologie so mächtig ist, stellt sich eine zentrale Frage: Wie stellen wir sicher, dass sie im Einklang mit unseren Werten eingesetzt wird?

In einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft gilt: Technologie muss dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Deshalb braucht künstliche Intelligenz klare Leitplanken. Und es ist auch völlig richtig, dass diese Leitplanken auf europäischer Ebene eingebaut werden. Diese Leitplanken dürfen aber kein Hindernis für Innovationen sein. Bisher ist der AI Act noch nicht ausreichend innovationsfreundlich. Deswegen ist die europäische Initiative zur Vereinfachung äußerst notwendig und richtig. Und ich danke Bundesminister Dr. Karsten Wildberger für sein beharrliches Verhandeln, das bereits zu Entlastungen für Industrie, Mittelstand und insbesondere kleine und mittlere Unternehmen geführt hat. Vielen Dank dafür!

Es bedarf auf europäischer Ebene aber noch weiterer Verbesserungen und auf nationaler Ebene einer bürokratiearmen Umsetzung mit möglichst schlanker Aufsichtsstruktur. Vor allem brauchen wir den sogenannten One-Stop-Shop, also einen Ansprechpartner. Und insgesamt muss kluge Regulierung Innovationen befördern.

Zu oft wird in unserem Land über die Risiken von künstlicher Intelligenz gesprochen. Aber die größte Gefahr besteht für uns darin, dass wir abgehängt werden, dass wir keine Spitzentechnologien entwickeln, dass die Zukunft ohne uns gestaltet wird. Das können und dürfen wir nicht wollen.

Dabei haben wir zum jetzigen Zeitpunkt, wo die KI- Welle im Grunde erst anrollt, enorme Chancen. Deutschland ist eine der stärksten Industrienationen der Welt. Unsere Wirtschaft basiert auf Maschinenbau, Automobilindustrie, Chemie und vielen hochspezialisierten mittelständischen Unternehmen. Genau hier entfaltet industrielle KI ihr größtes Potenzial, und genau hierin liegen für unsere Volkswirtschaft enorme Zukunftschancen; denn wir bringen dafür ganz besondere Voraussetzungen mit.

Gerade unsere Industrieunternehmen vereinen tiefgehende technologische Kompetenz mit einem außergewöhnlich wertvollen Datenschatz. Dieses Zusammenspiel ist ein großer strategischer Vorteil. Viele unserer Unternehmen sind Weltmarktführer in spezialisierten Nischen. Wenn sie ihre Leidenschaft und ihre industriellen Kompetenzen mit moderner KI verbinden, dann spielen sie auch in Zukunft an der Weltspitze mit, und das ist unser klares Ziel.

Mit Leidenschaft, Kompetenz und übrigens auch mit künstlicher Intelligenz wird unser Nationaltrainer Julian Nagelsmann unser Team in den nächsten Monaten intensiv vorbereiten, das dann bei der Fußball-WM in diesem Sommer hoffentlich auch an der Weltspitze mitspielt.

Er wird es zur Weltspitze führen. Wir drücken die Daumen.

Vielen Dank.

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