Dr. Peter Ramsauer im Interview mit der in Würzburg erscheinenden „Tagespost“. Das Interview führte Markus Reder.

CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer über seinen Besuch beim Papst, seine bioethischen Ansichten und warum die Christsozialen jetzt die künstliche Befruchtung fördern wollen.

Tagespost:
Vor kurzem haben Sie in Rom Gespräche mit führenden Kurienvertretern geführt und die Papstaudienz besucht. Mit welchen Eindrücken sind Sie zurückgekommen?

Dr. Ramsauer:
Mein Kollege Johannes Singhammer und ich konnten am Rand der wöchentlichen Generalaudienz mit dem Heiligen Vater zu einem Gespräch zusammentreffen. Es ist klar, dass wir ein ganz besonderes Verhältnis zu Benedikt XVI. haben, als Landsmann, als ehemaligem Erzbischof von München und Freising, als deutschem Kurienkardinal und jetzt als einem Bayern auf dem Stuhle Petri. Wir sind sehr dankbar für diese Begegnung, die auch den Papst gefreut hat. Er konnte spüren, dass unsere ehrliche Unterstützung für sein pastorales Anliegen so stark ist wie je. Außerdem hatten wir Gespräche mit den deutschen Kurienkardinälen Cordes und Kasper und anderen hohen Vertretern des Vatikans. Die Kritik aus Deutschland, das wurde sehr deutlich, hat den Papst nicht kaltgelassen. Sein ausführlicher Brief zur Affäre Williamson, der am Tag unseres Besuchs bekannt wurde, ist ein sehr persönliches Dokument, das zeigt, wie nah ihm die ganze Sache gegangen ist.

Tagespost:
Die papstkritischen Äußerungen von Angela Merkel sind bei Teilen der katholischen Stammwählerschaft der Union schlecht angekommen. Daraufhin hat sich die CSU-Spitze entschlossen hinter Benedikt XVI. gestellt. Horst Seehofer hat dem „Pontifex Bavariae“ seine „uneingeschränkte Solidarität“ versichert. Auch Sie haben das mehrfach zum Ausdruck gebracht. Soll Ihre leidenschaftliche Papst-Unterstützung die katholische Wählerklientel neu für die CSU begeistern?

Dr. Ramsauer:
Die Bundeskanzlerin hat mit ihrer vermeintlichen Kritik nie den Papst persönlich treffen wollen, sondern die Art und Weise, wie der vatikanische Amtsapparat mit der Angelegenheit Williamson umgegangen ist. Wir wollten mit unserem Besuch klar zeigen, wo wir stehen: nämlich an der Seite des Papstes. Inhaltlich ist der Versuch des Papstes, ein Schisma, eine Kirchenspaltung zu vermeiden, ja wohl in keiner Weise ehrenrührig. Und an der Suspendierung eines unrechtmäßig geweihten Bischofs namens Williamson von allen priesterlichen und bischöflichen Rechten und Pflichten hat sich ja nichts geändert.

Tagespost:
Unter Katholiken wächst die Unzufriedenheit mit dem Profil der „C“-Parteien. Finden Sie nicht, dass Ihr Bemühen allzu durchsichtig ist, über solche Solidaritätsbekundungen das kritisch gewordene katholische Fußvolk für die CSU zu gewinnen?

Dr. Ramsauer:
Wir stehen in der CSU aus Überzeugung zu unserer Wertebasis: dem christlichen Bild vom Menschen und seiner Würde als Person. Unser Einsatz für die Palliativmedizin und der Gesetzentwurf für weniger Spätabtreibungen sind ebenso Ausdruck unseres Bemühens, im Sinn unserer Überzeugungen das Mögliche zu erreichen wie die Einbeziehung von Großeltern in das Elterngeld, damit sich sehr junge Eltern leichter für ein Kind entscheiden. Das alles sind gewiss nur kleine Schritte – aber Schritte auf dem richtigen Weg. Ohne die Mitwirkung engagierter Christen in den christlichen Volksparteien CSU und CDU wären nicht einmal diese Schritte möglich. Der christliche Glaube ruft uns auf, die Welt mitzugestalten. CSU und CDU bieten, was immer auch an unserer Politik unvollkommen ist, engagierten Christen wirksamere Chancen der Mitgestaltung des öffentlichen Lebens aus christlicher Verantwortung als jede andere Partei und Gruppierung.

Tagespost:
Sich mit Worten hinter den Papst zu stellen, ist das eine. Für katholische Wähler ist entscheidend, ob CSU-Politiker auch inhaltlich hinter den Positionen des Papstes und der Kirche stehen. Etwa beim Lebensschutz – um nur ein Beispiel zu nennen. Sowohl Sie als auch Horst Seehofer haben für eine Liberalisierung des Stammzellgesetzes und damit gegen einen konsequenten Lebensschutz gestimmt, für den die katholische Kirche eintritt.

Dr. Ramsauer:
Mit mir gemeinsam haben sich nach reiflicher Prüfung und langen Diskussionen vor knapp einem Jahr 364 Kolleginnen und Kollegen für eine Regelung ausgesprochen, die weit entfernt ist von einer Freigabe der Stammzellforschung. Meiner und der Entscheidung vieler meiner Fraktionskolleginnen und -kollegen war ein intensiver Dialog mit Kirchenvertretern vorausgegangen. Wichtig war und bleibt mir und Persönlichkeiten wie zum Beispiel Wolfgang Schäuble, dass von der beschlossenen Regelung keinerlei Anreize für die ethisch nicht vertretbare Züchtung von Embryonen ausgeht, die dann zu Forschungszwecken getötet werden sollen. Genau dies ist durch die von mir mitgetragene Stichtagsregelung gewährleistet.

Tagespost:
Die CSU will mehr Geld für künstliche Befruchtung von Frauen über 40. Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär hat das in dieser Woche gefordert. Unterstützen Sie in dieser Frage die Forderungen von Frau Bär oder halten Sie es mit Papst und katholischer Kirche, die die künstliche Befruchtung ablehnen, weil hier jene überzähligen Embryonen entstehen, die die Begehrlichkeiten der Wissenschaft wecken und zu Forschungszwecken verbraucht werden sollen?

Dr. Ramsauer:
Das Ziel muss sein, die Methoden so zu präzisieren, dass immer weniger überzählige Embryonen entstehen. Viele Paare haben früher ihre Kinderlosigkeit als echtes Leid empfunden. Heute können wir helfen. Welche Grenzen dabei gesetzt werden müssen, muss sehr sorgfältig abgewogen werden. Ein entscheidendes Kriterium dabei ist für mich die Erfolgsaussicht des einzelnen Eingriffs und damit eben die Vermeidung des Entstehens überzähliger Embryonen.

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