Nur wenn die Beschäftigten wissen, an welcher Stelle sie sich mit ihrem Gehaltsniveau befinden, können sie gezielt nachverhandeln, sagt Paul Lehrieder (CSU), Vorsitzender des Familienausschusses. Das in dieser Woche verabschiedete Lohntransparenzgesetz soll dafür einen entscheidenen Beitrag leisten.

 


© Henning Schacht

Herr Lehrieder, warum verdienen Frauen immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen? 

Dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer, liegt nicht nur an Benachteiligung, sondern ist größtenteils auf individuelle Entscheidungen in der Berufswahl und auf familiär begründete Auszeiten zurückzuführen. So wählen Frauen seltener gut bezahlte Berufe. Familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitarbeit durch Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen tragen ebenfalls zur Lohnlücke bei. Zudem sind Frauen in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert. Sie besetzen damit seltener als Männer die höchstbezahlten Jobs in Unternehmen.
 
In dieser Woche wurde das Lohntransparenzgesetz verabschiedet, welches helfen soll, Benachteiligungen beim Gehalt zu vermeiden. Was sind die wesentlichen Punkte?
 
Mit dem Entgelttransparenzgesetz wollen wir mehr Transparenz in den Lohnstrukturen der Betriebe schaffen. Die Einführung individueller Auskunftsansprüche sowie Verfahren zur Überprüfung dienen dazu, den bereits bestehenden Anspruch von Frauen und Männern auf gleiches Entgelt bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit tatsächlich durchsetzen zu können. Nur wenn die Beschäftigten wissen, an welcher Stelle sie sich mit ihrem Gehaltsniveau befinden, können sie gezielt nachverhandeln. Im Umkehrschluss können die Unternehmen nachweisen, dass es bei ihnen keinerlei ungerechtfertigte Lohnunterschiede gibt.
 
Die Wirtschaft befürchtet durch das Gesetz mehr Bürokratie. Was entgegnen Sie - wie wurde diese Kritik berücksichtigt?
 
Die Arbeitgeber haben den gefundenen Kompromiss selbst mitverhandelt. Nach den ursprünglichen Plänen der SPD wären sämtliche Unternehmen in Deutschland davon betroffen gewesen, nun liegt die Zahl bei cirka 18.500.
Die Bürokratiemehrbelastungen für den Arbeitgeber sind dank digital geführter Gehaltslisten äußerst gering, zumal eine zusätzliche bürokratische Belastung der Wirtschaft entsprechend der sogenannten „one in, one out“-Regelung an anderer Stelle ausgeglichen wird. Sofern die Beantwortung dem Betriebsrat übertragen wird, ist der bürokratische Mehraufwand für den Arbeitgeber sogar noch geringer.
 
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