Reden

Marlene Mortler
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Mittwoch, 18. Januar 2012
Landwirtschaft / Verbraucher

Tierärzte sollen Zugriff auf Daten über Antibiotikaverabreichung erhaltne

Rede zum Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung

ZP.1) Aktuelle Stunde

auf Verlangen B90/GRÜNE
"Antibiotika in der Tierhaltung"

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gleich an die Opposition: Angst ist Ihr Geschäft, Angst ist Ihr Programm.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Unser Programm ist Aufklärung und Verbesserung, und es ist unglaublich, welche Kampfthemen Sie sich jedes Jahr kurz vor der Grünen Woche in Berlin überlegen. Es ist von Lebensmittelkrise und Skandalen die Rede. Ich sage Ihnen etwas:

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das haben Sie doch angefangen! Frau Mortler, da werden Sie ja rot im Gesicht!)

Ich habe Ihre Pseudokampagnen satt,

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

und ich habe vor allem Ihre Pseudowissenschaftler satt. Dr. Lauterbach ist schon entschwunden, sonst hätte ich ihm jetzt ins Stammbuch geschrieben, Stichwort „Antibiogramme“. Wir sind in der Tiermedizin schon viel weiter als in der Humanmedizin, weil wir gezielt nachschauen, welches Antibiotikum auf welchen Krankheitserreger passt und damit am besten wirkt. Davon sind wir in der Humanmedizin noch weit entfernt. Lieber Friedrich Ostendorff, du bist heute deiner Rolle als Nestbeschmutzer

(Friedrich Ostendorff [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich habe mich schon gewundert, dass ich so spät drankomme!)

deiner Kolleginnen und Kollegen in der Landwirtschaft wieder voll gerecht geworden.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Pfui Deibel, Frau Mortler, jetzt reicht’s ja wohl! Wenn sie nicht gewesen wären, gäbe es heute noch solche Skandale in der Landwirtschaft!)

– Ich weiß, Wahrheit tut weh. Frau Künast, voll ins Schwarze getroffen, in dem Fall ins Grüne!

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, natürlich! Sie von der Großindustrie haben nichts gecheckt!)

Der Rolle voll gerecht geworden.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben doch nichts bewegt, Sie leben hundert Jahre zurück! Sie müssten sich entschuldigen!)

Noch eins: Hier Reden zu schwingen und in der Opposition so zu tun,

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die haben die Familienbetriebe erhalten, da haben Sie sich einen Dreck darum geschert!)

als ob wir in Deutschland die schlechtesten Lebensmittel hätten und der Verbraucher jeden Tag sterben müsste – so stellen Sie es dar –, das ist der Skandal.

Ja, es stimmt, unseren Heim- und Nutztieren in Deutschland werden, wenn nötig, Antibiotika verabreicht. Wenn ein Tier oder eine Herde erkrankt ist, dann ist es oberste Pflicht der Bäuerinnen und Bauern, aber auch des Tierbesitzers sowie des Tierarztes, die Tiere zu behandeln, damit sie wieder gesund werden.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Friedrich Ostendorff [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 96 Prozent!)

Es wäre mit unserem christlichen Verständnis und mit dem Gedanken eines verantwortungsvollen Umgangs mit unseren Mitgeschöpfen nicht vereinbar,

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Blablabla!)

wenn wir im Falle von Krankheiten nicht so handeln würden.

(Friedrich Ostendorff [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Lies nach bei Franz von Assisi!)

Ich betone ausdrücklich: Auch mit dem deutschen Tierschutzgesetz wäre das nicht vereinbar.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das können Sie am Sonntag in der Kirche sagen!)

Es stimmt, dass wir Probleme haben. Aber diese lösen Sie nicht – ich sage es noch einmal – mit einfachen Antworten und plakativen Schuldzuweisungen. Die Bäuerinnen und Bauern, die ich kenne, leiden darunter, wenn ihre Tiere krank sind. Sie sorgen dafür, dass sie jeden Tag gesund im Stall stehen, und behandeln sie entsprechend, wenn das nicht der Fall ist.

Meine Damen und Herren, antimikrobielle Substanzen werden in der Umwelt seit Millionen von Jahren vor allem durch Pilze gebildet. Sie verursachen seitdem antimikrobielle Resistenzen und üben einen Selektionsdruck in der Evolution von Mikroben aus. Das geschieht nicht erst seit der Anwendung von Antibiotika in der Medizin. So wurde zum Beispiel vor kurzem bei Erregern aus einer ägyptischen Mumie Resistenz gegen Vancomycin nachgewiesen, lange vor der medizinischen Anwendung dieser Substanz.

Wir von der Union möchten nichts kleinreden. Wir sagen aber deutlich, dass seit 2006 der vorbeugende Einsatz von Antibiotika EU-weit verboten ist.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das hätten Sie ja verhindern können! – Weiterer Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sie machen es aber trotzdem!)

Deshalb begrüßen wir, dass die Bundesregierung schneller ist als das in erster Linie angesprochene Bundesland Nordrhein-Westfalen und sagt: Wenn ihr nicht handelt, dann handeln wir. – Wir begrüßen den Gesetzentwurf. Wir begrüßen es, dass die Datengrundlage verbessert wird und dass die Tierärzte in Zukunft eine lückenlose Einsicht in Daten zur Abgabe und Anwendung von Antibiotika gewähren müssen. So können wir in Zukunft eindeutig feststellen, in welchen Regionen, in welchen Betrieben besondere Probleme mit der Tiergesundheit bestehen.

(Beifall bei Abgeordneten der FDP)

Lebensmittel sind natürliche Produkte. Ehrlich gesagt, möchte ich selber in Zukunft keine sterile Fleischfaser essen. Ein Naturprodukt ist nun einmal immer mit Keimen behaftet.

(Friedrich Ostendorff [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mit Antibiotika angereichert!)

So ist auf der Oberfläche von Geflügelfleisch oft der Keim E. coli zu finden. Dies ist seit Jahrhunderten bekannt, und darum essen wir kein rohes Geflügelfleisch, sozusagen Carpaccio vom Huhn.

An dieser Stelle eines zur Verdeutlichung: Ich bin Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft. Ich weiß noch, wie man mit Rohstoffen, vor allem mit Geflügelfleisch, umgeht.

Vizepräsident Eduard Oswald:
Sie kommen bitte zum Schluss, Frau Kollegin.

Marlene Mortler (CDU/CSU):
Wenn man vermeiden will, dass Probleme in der eigenen Küche, auf dem eigenen Teller und in der Folge im Körper auftreten, dann ist die Hygiene in der Küche das A und O. Insofern ist die Studie des BUND ein alter Hut. Der Keim MRSA muss nicht nur in der Tiermedizin, sondern vor allem in der Humanmedizin ernsthaft bekämpft werden, –

Vizepräsident Eduard Oswald:
Jetzt Ihr Schlusssatz bitte.

Marlene Mortler (CDU/CSU):
– aber nicht mit Kampagnen, sondern mit politischem Handeln.

Danke schön. Ich bin fertig.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)