Donnerstag, 4. März 2010
Sehr geehrter Herr Präsident!
Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen!
Ich wollte nur etwas Zeit sparen.
(Zuruf von der SPD: Ja, ja! Dass Sie dieses Thema schnell erledigen wollen, glaube ich Ihnen sofort!)
Ich glaube, es ist durchaus sachgerecht, darauf zu achten, dass unsere Debatten, auch wenn sie dadurch qualitativ teilweise vielleicht nicht sehr hochwertig sind, zügig durchgeführt werden.
Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, ich glaube, es wäre zunächst einmal ratsam, in dieser Angelegenheit die politische Dimension von der rechtlichen Dimension zu trennen. Was die politische Dimension anbelangt, möchte ich gar nicht verhehlen, dass die Schreiben der CDU-Landesgeschäftsstellen in Nordrhein-Westfalen und Sachsen, um die es geht, durchaus unglücklich formuliert sind.
(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist aber sehr milde! – Gegenruf des Abg. Thomas Strobl [Heilbronn] [CDU/CSU]: Die SPD und die Grünen machen es aber nicht besser!)
Allerdings möchte ich auch deutlich zum Ausdruck bringen, dass man sich gerade angesichts der heutigen Debatte des Eindrucks nicht erwehren kann, dass es Ihnen von den Oppositionsfraktionen nicht darum geht, moralischen Grundsätzen in der Politik zum Durchbruch zu verhelfen
(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach so?)
oder die politische Kultur in Deutschland zu verbessern, sondern dass es Ihnen in heuchlerischer und pharisäischer Art und Weise
(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Na, na!)
um genau das Gegenteil geht.
(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Zu uns ist er so streng, aber bei den eigenen Sünden so milde!)
Sie haben das Ziel, den Eindruck zu erwecken, dass die politische Klasse in Deutschland insgesamt korrupt, bestechlich und käuflich ist.
(Gabriele Fograscher [SPD]: Das hat keiner gesagt!)
Damit erweisen Sie der politischen Kultur in Deutschland einen Bärendienst.
(Alexander Ulrich [DIE LINKE]: Oh nein! Das machen Sie! – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Das haben Sie ja wohl getan! – Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist die Methode: Haltet den Dieb!)
Indem Sie vom Mieten eines Ministerpräsidenten und von korrupten Politikern sprechen, versuchen Sie genau das Gegenteil dessen, was, wie ich glaube, das Ziel in diesem Hause sein sollte. Wir sollten nämlich versuchen, den Eindruck zu vermeiden, wir seien wirklich käuflich.
(Joachim Poß [SPD]: Herr Kollege, Sie dürfen nicht Ursache und Wirkung verwechseln!)
Das Gegenteil ist nämlich der Fall.
Die meisten Abgeordneten – ich kann dies zumindest für die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion bestätigen – nehmen sich tagein, tagaus in kleinteiliger und teilweise mühevoller Arbeit der Sorgen und Nöten der Bevölkerung an. Sie nehmen an Veranstaltungen teil, ob hier in Berlin oder in ihrem Wahlkreis,
(Dr. Barbara Hendricks [SPD]: Das machen wir auch!)
hören sich die Nöte an,
(Joachim Poß [SPD]: Darum geht es ja gar nicht!)
seien es die Nöte der Bürgerinnen und Bürger, seien es die Nöte der Wirtschaft,
(Dr. Barbara Hendricks [SPD]: Das alles machen wir auch! Aber wir nehmen kein Geld dafür!)
und all das – um auch das zum Ausdruck zu bringen – ohne Geld von den Bürgern zu nehmen.
(Joachim Poß [SPD]: Was ist los? – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Das wäre ja wohl noch schöner! – Gabriele Fograscher [SPD]: Das ist doch eine Selbstverständlichkeit! – Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sprechstunden ohne Bezahlung? Und das bei Ihnen?)
Wir werden ordentlich bezahlt; über unsere Bezahlung dürfen wir uns nicht beschweren. Diese kleinteilige, mühevolle und sehr redselige Arbeit vieler Politiker auf Bundes- und Landesebene wird durch die pauschale Kritik, die Sie zum Ausdruck bringen, eindeutig diskreditiert.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nein! Nicht dadurch, sondern durch Herrn Rüttgers und Herrn Tillich! – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Das sind Fakten! – Dr. Barbara Hendricks [SPD]: Das war nicht pauschal! Wir haben zwei CDU-Ministerpräsidenten genannt! – Joachim Poß [SPD]: Genau! Es geht um Rüttgers und Tillich!)
Meine sehr verehrten Damen und Herren, den CDU-Landesvorsitzenden in Nordrhein-Westfalen und Sachsen, dem Kollegen Rüttgers und dem Kollegen Tillich, ist hoher Respekt zu zollen,
(Joachim Poß [SPD]: Was ist los?)
und zwar dafür, dass sie umgehend und unverzüglich gehandelt, die Angebote des Sponsorings sofort zurückgenommen und diese Vorgehensweise eingestellt haben.
(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja! Nachdem es in der Zeitung stand! – Dr. Barbara Hendricks [SPD]: Selten dämlich war das! – Iris Gleicke [SPD]: Peinliche Erklärungen waren das! – Alexander Ulrich [DIE LINKE]: Zurücktreten müssen sie!)
Ich stelle auch in aller Deutlichkeit fest: Weder Ministerpräsident Rüttgers noch Ministerpräsident Tillich ist käuflich.
(Joachim Poß [SPD]: Woher wissen Sie das? Haben Sie mit denen gesprochen?)
Ebenso ist aus dieser Rücknahme der Sponsoringangebote kein wie auch immer geartetes Schuldeingeständnis zu konstruieren. Es wäre, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, auch rundweg naiv, anzunehmen, dass große politische Weichenstellungen, dass politische Grundentscheidungen durch ein kurzes Gespräch mit dem Ministerpräsidenten an einem Stand eines Parteitages oder am Rande einer Parteiveranstaltung beeinflusst würden.
(Alexander Ulrich [DIE LINKE]: Hotelübernachtung!)
Ich möchte aber insbesondere noch auf die rechtliche Dimension dieser Angelegenheit eingehen. Der Bundestagspräsident prüft jetzt, ob ein Verstoß gegen das Parteiengesetz vorliegt. Die dafür nötige Zeit sollte er sich meines Erachtens auch nehmen. Ich weise auch, lieber Herr Maurer, in aller Deutlichkeit darauf hin: Hier geht Qualität ganz klar vor Eilbedürftigkeit.
(Joachim Poß [SPD]: Das versteht sich! Alles nach dem 9. Mai!)
Es ist vollkommen verfehlt, anzunehmen, es ginge hier darum, die Zeit bis zur Nordrhein-Westfalen-Wahl am 9. Mai abzuwarten. Wir setzen hier auf Qualität, auf eine sorgfältige und intensive Prüfung.
(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber zügig!)
Am Ende dieser Prüfung werden wir mit Sicherheit auch in diesem Haus darüber zu debattieren haben, ob es notwendig ist, das Parteiengesetz zu novellieren. Vor einem warne ich in aller Offenheit, nämlich vor falschem Aktionismus in der Form, jetzt vorschnell etwa das Parteiengesetz novellieren zu wollen und die Regelungen der Parteienfinanzierung, die sich aus meiner Sicht in den letzten Jahren wirklich bewährt haben, über Bord werfen und diese auf neue Beine stellen zu wollen.
Wir sind in den letzten 60 Jahren gut damit gefahren, dass wir in Deutschland keine staatsfinanzierten Parteien hatten, und ich möchte dies beileibe auch nicht. Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen von der Linkspartei, das gab es ja leider in der DDR, dass alle Parteien am Tropf des Staates hingen.
(Burkhard Lischka [SPD]: Darum geht es doch gar nicht!)
Ich möchte nicht, dass die Parteien am Tropf des Staates hängen. Es ist wichtig – auch das Bundesverfassungsgericht hat in vielen Entscheidungen darauf hingewiesen –, dass es eine Staatsfreiheit der Parteien gibt, dass die Parteien, indem sie sich um Spenden und Unterstützung bemühen müssen, sich natürlich auch attraktiv gestalten und das Band zwischen sich und der Bevölkerung erhalten müssen.
(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Heute geht es ja gar nicht um Spenden, sondern um Sponsoring!)
Der Erhalt dieses Bandes ist ganz entscheidend, und deswegen warne ich in aller Deutlichkeit davor, jetzt aufgrund dieses Sachverhalts, der bisher in keiner Weise als irgendwie rechtswidrig deklariert wurde,
(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Doch, doch, doch! Das steht jetzt schon im Parteiengesetz! Das sehen Sie falsch!)
die Regelungen unserer Parteienfinanzierung komplett über Bord werfen zu wollen.
(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es fordert keiner, das über Bord zu werfen!)
Deswegen sollten wir die Überprüfung durch den Bundestagspräsidenten in aller Ruhe abwarten und dann, wenn wieder Sachlichkeit und Nüchternheit eingekehrt sind, die Angelegenheit bei Lichte betrachten,
(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hauptsache, alles vor der Landtagswahl!)
wenn sich der gesamte Rauch verzogen hat.
Ich danke für die Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)