Reden

Dr. h.c. Hans Michelbach
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Mittwoch, 3. März 2010
Finanzen und Haushalt

Steuerfrieden in Europa versuchen zu erreichen

Rede zur Praxis beim Kauf von Steuer-CDs
ZP.1) Aktuelle Stunde auf Verlangen der SPD-Fraktion "Notwendigkeit einer einheitlichen Praxis beim Kauf von Steuer CDs"
Frau Präsidentin!
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!
 
Die CDU/CSU-Fraktion ist den Zielen ver­pflichtet, Steuergerechtigkeit zu erreichen, Steuerhinter­ziehung zu bekämpfen, die Gleichmäßigkeit der Besteu­erung bundesweit herzustellen, die Einheitlichkeit des Verwaltungshandelns zu prüfen und die Zusammenarbeit der Steuerverwaltungen der Länder im föderalen System zu garantieren. Diese Grundsätze wurden durch den Bundesfinanzminister auch beim Kauf von Steuer-CDs aus der Schweiz in der aktuellen Praxis beachtet; das ist Fakt.
 
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
 
Dass wir heute hier in dieser Aktuellen Stunde gera­dezu einen Popanz an die Wand gemalt bekommen, es gäbe ein Staatsversagen, ist der durchsichtige Versuch, mit der Steuerhinterziehung ein politisches Geschäft zu machen. Das ist unanständig,
 
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Dr. Gerhard Schick [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Und das aus der CSU!)
 
weil wir die Steuerhinterziehung aktiv bekämpfen. Da dies ausgerechnet von der SPD getan wird – hier muss man der Frau Dr. Höll von den Linken ausnahmsweise einmal recht geben –, frage ich: Was haben Sie eigent­lich in den letzten elf Jahren gemacht, in denen Sie den Bundesfinanzminister gestellt haben?
 
(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Ja, was denn? Da wurde Schluss gemacht mit solchen Praktiken!)
 
Sie haben über die Schweiz debattiert und ihr angedroht, die Kavallerie dorthin zu schicken. Getan und erreicht haben Sie aber nichts; das ist eine Tatsache.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Gerhard Schick [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Wer hat das Gesetz im Bundesrat denn blockiert?)
 
Es bleibt festzuhalten: Die Bundesländer entscheiden in Verbindung mit dem Bundesfinanzministerium über den Kauf. So hat Nordrhein-Westfalen am 26. Februar 2010 im Einvernehmen geprüft und gekauft. Im so­genannten Fall Baden-Württemberg ist das Ankaufsan­gebot zunächst – das muss man festhalten – beim Bun­deszentralamt, also beim Bund, angekommen, und das Bundesfinanzministerium hat die Steuerverwaltung des Landes Baden-Württemberg daraufhin um Prüfung ge­beten; denn nur so funktioniert natürlich die Aufklärung unbekannter Steuerfälle. Baden-Württemberg hat gelie­fert.
 
Sie können sich jetzt doch nicht hier hinstellen und sagen, es gebe eine Strafvereitelung im Amt, wie Sie das dem Herrn Mappus vorwerfen. Das, was Sie hier ma­chen, ist unanständig.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Das ist die Wahrheit!)
 
Deswegen ist ganz klar: Der Ankauf durch den Bun­desfinanzminister in Verbindung mit einem betroffenen Bundesland ist jederzeit gesichert. Damit gibt es eine Bekämpfung der Steuerhinterziehung in diesem Land. Das führt zum gleichen Ergebnis wie in dem Fall, als das Bundesland Nordrhein-Westfalen diese Dinge gekauft hat. Wir haben das gleiche Ergebnis erzielt. Der Vorwurf der SPD, Baden-Württemberg würde sich zu einer Steueroase entwickeln, ist geradezu absurd; denn die In­formationen wurden ja von der Steuerverwaltung des Landes Baden-Württemberg geliefert. Fakt ist: Es gibt keine Pflichtverletzung in Deutschland.
 
(Joachim Poß [SPD]: Wo ist eigentlich Frau Homburger?)
 
Es gibt natürlich einen Handlungsbedarf in der Schweiz; das muss man hier klar feststellen. Die Schweiz darf kein Schwarzgeld mehr ins Land lassen. Die Schweiz muss auch ausländische Steuerbehörden zu ih­rem Recht kommen lassen. Die Schweiz sollte die inter­nationalen OECD-Regeln umsetzen. Die Schweiz sollte jetzt die Steuerhinterziehung mit einem Doppelbesteue­rungsabkommen austrocknen. Damit wäre jeder Kauf einer Schweizer CD mit Steuerdaten natürlich ohnehin obsolet.
 
Es kommt natürlich immer wieder zu sehr zweifelhaf­ten Trittbrettfahrten. Deswegen muss insgesamt auch ge­prüft werden, ob hier inhaltlich wirklich etwas vorhan­den ist. Man kann hier nicht von vornherein pauschal von einer Steuerhinterziehung ausgehen,
 
(Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Das tut ja niemand! Wer tut das denn?)
 
sondern man muss das im Detail sehr intensiv prüfen, und das geschieht.
 
(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Das ma­chen Sie doch schon seit einem Jahr! – Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Das ist doch nicht die Begründung für Baden-Württemberg!)
 
Die Schweiz und der Schweizer Finanzminister Merz haben signalisiert, dass sich etwas bewegt. Es geht letz­ten Endes darum, legale Verhältnisse zu schaffen und ei­nen Steuerfrieden in Europa zu erreichen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür arbeiten, anstatt in einer solchen Aktu­ellen Stunde durch Krakeelerei letzten Endes nur Politik­verdrossenheit herstellen.
 
(Joachim Poß [SPD]: Sie produzieren Politik­verdrossenheit!)
 
Ich kann Ihnen nur sagen: Hier ist fachliche, sachliche Arbeit gefragt. Das, was Sie hier veranstalten, dient nicht diesem Ziel.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Joachim Poß [SPD]: Sie produzieren Politik ohne Aussagen! Von morgens um sieben bis abends um acht!)
 
Lassen Sie uns konkret daran arbeiten! Der Versuch, mit Steuerhinterziehung ein politisches Geschäft zu machen, ist völlig absurd. Deswegen lassen wir uns dies nicht ge­fallen. Auch wenn Sie jeden Tag sagen, hier werde Klientelpolitik betrieben,
 
(Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Das werden Sie erleben! Jeden Tag!)
 
ist das nur Ihre politische Agitation.
 
Vielen Dank.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)