Reden

Franz Obermeier
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Freitag, 11. Juni 2010
Umwelt und Naturschutz

Die SPD ist im Prinzip völlig unfähig, die Probleme unseres Landes in der Stromversorgung von der Priorität her richtig einzuordnen

Rede zur Kernenergie
29.a) Beratung Große Anfrage SPD
Verlängerung von Restlaufzeiten von Atomkraftwerken -Auswirkungen auf die Entwicklung des Wettbewerbs auf dem Strommarkt und den Ausbau der Erneuerbaren Energien
- Drs 17/832 -
28.b) Beratung Antrag SPD
Laufzeitverlängerung nicht mehr durchsetzbar - Energiepolitische Bremse lösen
- Drs 17/1980  -
Frau Präsidentin!
Kolleginnen und Kollegen!
 
Wir müssen uns darauf einstellen, dass uns in der vor uns liegenden Zeit jede Woche irgendein Antrag aus der rot-grünen Ecke vorgelegt wird, der sich mit dem Thema Laufzeitverlängerung auseinandersetzt.
 
(Ulrich Kelber [SPD]: So ist es! Da können Sie sicher sein!)
 
Die gesamte Debatte, auch die erste Halbzeit dieser Aussprache, wird mit wenig faktenreichen und nur mit ideologischen, nicht sachgerechten Argumenten geführt.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann bringen Sie doch einmal Fakten! – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Deshalb sind Sie als Redner vorgeschlagen! – Ulrich Kelber [SPD]: Zahlen! – Dr. Hermann Ott [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir wollen Fakten!)
 
Ich möchte Beweise dafür liefern, dass die SPD im Prinzip völlig unfähig ist, die Probleme unseres Landes in der Stromversorgung von der Priorität her richtig einzuordnen. Wenn wir gemeinsam das Ziel verfolgen wollen, in den nächsten Jahren die erneuerbaren Energien vernünftig voranzubringen, dann wäre es wesentlich spannender, darüber zu debattieren, wie wir die Probleme in unserem Land, die sich aus dem Zusammenwirken der erneuerbaren Energien insgesamt ergeben, lösen. Wir alle miteinander haben in den zurückliegenden Jahren den Fehler gemacht, dass wir die Volatilität wesentlicher Formen der erneuerbaren Stromerzeugung viel zu wenig gewürdigt haben.
 
(Ulrich Kelber [SPD]: Sie haben persönlich die Förderung behindert!)
 
Jetzt haben wir das Problem, dass wir bei der Forschung und bei den Methoden hinsichtlich moderner und effizienter Speichertechnologien weit hintenanstehen und dass wir Jahre brauchen, um unsere Probleme so zu lösen, dass wir die erneuerbaren Energien in ihrer Volatilität an die Grundlast heranführen können.
 
(Frank Schwabe [SPD]: Sie wollen sie doch gar nicht!)
 
Das einzig Sinnvolle im SPD-Antrag ist die Behandlung der Frage – sie wurde im Übrigen bis jetzt noch gar nicht diskutiert; schließlich ist sie für Sie als Linke unbedeutend –,
 
(Lachen bei Abgeordneten der SPD)
 
wie wir im Falle einer Laufzeitverlängerung Wettbewerbsverzerrungen für die anderen Betreiber im Hinblick auf Mittel- und Grundlast vermeiden können.
 
(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sagen Sie doch mal was zu den 7 Milliarden, die den Stadtwerken verlorengehen!)
 
Jetzt komme ich darauf zu sprechen, dass wir mit den Atomstromerzeugern darüber verhandeln müssen, wie wir die sich aus einer Laufzeitverlängerung ergebenden Vorteile so nutzen können, dass auf der einen Seite keine Nachteile für die sonstigen Produzenten entstehen und dass auf der anderen Seite eine vernünftige und zu rechtfertigende Abschöpfung des zusätzlichen Gewinns erfolgt, ohne dass es zu erhöhten Strompreisen kommt.
 
(Ulrich Kelber [SPD]: Was ist mit Investitionen?)
 
Liebe Koleginnen und Kollegen, der von SPD und Grünen immer wieder erhobene Vorwurf, dass wir der Stromwirtschaft mit der Laufzeitverlängerung den Zugang zu den erneuerbaren Energien erschweren, geht völlig an der Sache vorbei.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
 
Wir haben die erneuerbaren Energien bis zum heutigen Tag nicht dem Markt und Wettbewerb ausgesetzt. Sie sind Markt und Wettbewerb nicht unterworfen. Wir haben per Gesetz die Preise festgelegt, und wir haben per Gesetz festgelegt, dass es einen Einspeisezwang für erneuerbare Energien gibt. Wer hier mit Blick auf herkömmliche Stromerzeugungsarten von Wettbewerbsverzerrung spricht, betreibt pure Volksverdummung.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Ulrich Kelber [SPD]: Das ist eine arme Haltung zu den Erneuerbaren! Wenn das Herr Röttgen wüsste! Er ist nicht da, weil er wusste, dass der Obermeier redet!)
 
Die Leute müssen wissen: Auch die christlich-liberale Regierung will es dabei belassen, dass die Stromerzeugungsformen auf der Basis erneuerbarer Energien den Vorzug des Einspeisevorrangs behalten, bis wir sie an die Marktfähigkeit herangeführt haben.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Ulrich Kelber [SPD]: Machen Sie mal den Markt Erneuerbaren-fähig und nicht umgekehrt!)
 
Jetzt reden wir noch über die Preisgestaltung. Der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien wird auch dazu führen – darüber müssen wir alle uns im Klaren sein –, dass der Preisaufschlag auf den Strom durch die erneuerbaren Energien, der bis jetzt einigermaßen marginal war, für die kleinen Haushalte eher zu vernachlässigen war, in den nächsten Jahren in eine Größenordnung kommt, die wir beachten müssen, insbesondere für die mittelständische Wirtschaft.
 
Ich habe das einmal ein bisschen nachgerechnet. Wir werden im laufenden Jahr beim Aufschlag in die Größenordnung von 2 Cent für die Kilowattstunde kommen. Im Laufe der nächsten paar Jahre wird es zu einem Aufschlag von 3 Cent kommen.
 
(Ulrich Kelber [SPD]: Die AKWs machen 5 Cent Gewinn!)
 
Das ist der Zuschlag, zu dem es kommen wird, wenn wir den Ausbau wie geplant weiterbetreiben.
 
Jetzt bitte ich Sie, zu bedenken, dass das für unsere mittelständische Wirtschaft, die auch Strom verbraucht – da gibt es Branchen, die viel Strom verbrauchen –, zu einer Größenordnung wird, die uns zu Reaktionen veranlassen könnte; ich bin da noch recht vorsichtig. Es wird eine relevante Größe werden, und dann müssen wir uns überlegen, wie wir Wettbewerbsnachteile, beispielsweise in der Nahrungsmittelindustrie, ausgleichen können.
 
Ich rate uns allen, dass wir die Diskussion über die Frage, wie wir die Stromwirtschaft gesetzlich begleiten, sachlicher führen als in den zurückliegenden Wochen und Monaten und dass wir alles im Auge haben, auch die berechtigten Sorgen der Kernkraftgegner; denn das ist geboten und angezeigt. Wir von der christlich-liberalen Koalition jedenfalls werden alles tun, dass wir diese Diskussion auf sachlicher Ebene führen können.
 
Herzlichen Dank.
 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)