Reden

Stephan Mayer
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Donnerstag, 10. Juni 2010
Innen- und Rechtspolitik

Die Fußballweltmeisterschaft und die vielen gemeinsamen Sportförderprojekte tragen dazu bei Kulturen und Menschen in Afrika wieder zusammenzuführen

Rede zur Entwicklungspolitik
17.) Beratung Antrag SPD
Die Fußball-Weltmeisterschaft - Eine Chance für Südafrika
- Drs 17/1959 -

Wenn morgen die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika mit dem Eröffnungsspiel der Bafana Bafana gegen Mexiko beginnt, wird über eine Milliarde Menschen weltweit einen unmittelbaren Blick auf das heutige Südafrika werfen.
 
Sie werden feststellen, dass sich trotz der vielen Kritik von Bedenkenträgern im Vorfeld der Weltmeisterschaft bereits Vieles gewandelt und verändert hat. Südafrika hat sich längst auf den Weg gemacht, die Risse, die durch die jahrzehntelange Apartheid in der Bevölkerung entstanden sind, wieder zu schließen.
 
Die Fußballweltmeisterschaft und die vielen gemeinsamen Sportförderprojekte, seien sie staatlich oder auch von nichtstaatlichen Organisationen durchgeführt, tragen hierzu bei.
 
So hat das Auswärtige Amt im Jahr 2010 unter dem Motto „Menschen bewegen – Grenzen überwinden“ die weltweite Förderung des Sports noch einmal verstärkt. Viele Sportprojekte davon finden in Afrika, wie beispielsweise in Simbabwe, Namibia, Madagaskar und Südafrika, statt. Die meisten sind auch nachhaltige Langzeitprojekte, die bereits vor der Fußballweltmeisterschaft begonnen haben und mehrere Jahre über sie hinausgehen werden.
 
Lassen Sie mich im Folgenden eines dieser Projekte detaillierter vorstellen.
 
Seit Oktober 2008 unterstützt der Fußballexperte Michael Nees im südafrikanischen Johannesburg für die Dauer von zunächst zwei Jahren den Südafrikanischen Fußball-Verband (SAFA) als technischer Berater. Die inhaltlichen Schwerpunkte des Projekts liegen auf der Modernisierung des bestehenden Trainerausbildungssystems und der strukturellen und administrativen Beratung des Verbandes. Mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft 2010 spielte dabei auch die Talentförderung eine große Rolle.
 
Dieses Langzeitprojekt, welches nun in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der deutschen Botschaft in Pretoria realisiert wird, zeigt die gute und wichtige Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Südafrika im Bereich des Sports.
 
Aber auch viele Projekte im unmittelbaren Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft werden durch die Sportförderung des Auswärtigen Amtes unterstützt.
 
So veranstalten beispielsweise unter dem Motto „football meets culture“ die Deutsche Botschaft und das Goethe-Institut von Mai bis August Deutschlandwochen in Johannesburg. Sie sollen den Begegnungscharakter der Fußballweltmeisterschaft unterstreichen.
 
Im Herbst 2010 finden dann in Kapstadt Deutschlandwochen unter dem Motto „20 Jahre Deutsche Einheit“ statt. Der Bogen zum Thema Fußball wird durch ein Jugend-Fußballturnier diverser Schulen mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund in Kapstadt unter Leitung der New World Foundation in Kooperation mit der Deutschen Schule in Kapstadt geschlagen.
 
Der Sport leistet damit aus meiner Sicht einen unschätzbaren Beitrag zur Völkerverständigung. Werte wie Fairness, Toleranz und Weltoffenheit können so spielerisch übermittelt werden. Er nimmt aber zugleich auch eine besondere Rolle im Rahmen der Entwicklungshilfe ein.
 
Durch die Förderung des Breitensports in vielen afrikanischen Ländern wird automatisch auch für mehr Integration von Minderheiten und marginalisierten Gruppen in den jeweiligen Gesellschaften geworben. Der Dialog zwischen den Kulturen wird angeregt, um bestehende Vorurteile abzubauen und neuen vorzubeugen.
 
Dass bereits ein starker Schwerpunkt der internationalen Sportförderung des Auswärtigen Amtes bei Afrika liegt, zeigen auch die nachfolgenden Zahlen.
 
2009 förderte das Auswärtige Amt im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik Sportmaßnahmen in Afrika mit 3,5 Millionen Euro. Dies entspricht etwa 70 Prozent der für die Internationale Sportförderung zur Verfügung stehenden Mittel. Es wurden alleine in Kooperation mit dem DOSB und dem DFB 13 Langzeitprojekte in Afrika – weltweit: 17 – und 36 Kurzzeitprojekte in Afrika – weltweit: 47 – durchgeführt.
 
Aus dem Vorgesagten können Sie entnehmen, dass das Auswärtige Amt bereits sehr intensive Sportförderung gerade auch mit und in Afrika betreibt. Die zusätzliche Aufmerksamkeit für internationale Sportförderung und gemeinsame Projekte durch die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika im Jahr 2010 wurde rechtzeitig erkannt, und viele kurz- und langfristige Projekte konnten initiiert werden. Eines weiteren Antrages oder gar einer Aufforderung durch den Deutschen Bundestag bedarf es daher aus meiner Sicht nicht. Lassen Sie uns stattdessen die hoffentlich sportlichen fairen Spiele bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika genießen und uns über die Lebensfreude und Weltoffenheit Südafrikas freuen.