Texte und Interviews

Hartmut Koschyk
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Samstag, 8. November 2008

Der 9. November - Tag der Mahnung und Tag der Hoffnung

Gedenktag steht für singuläre deutsche Geschichtserfahrungen
Zum 9. November als zentralem deutschen Gedenktag erklärt der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Hartmut Koschyk:
Der 9. November ist ein historischer Tag in der deutschen Geschichte. Die Ereignisse, denen an diesem Tag gedacht wird, stehen für singuläre Geschichtserfahrungen für uns Deutsche. Dieses Jahr gedenken wir der 70. Wiederkehr der Reichspogromnacht, die für das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte steht. Im kommenden Jahr begehen wir den 20. Jahrestag des Mauerfalls, der die Deutsche Einheit brachte. Der 9. November ist beides – ein Tag der Mahnung und ein Tag der Hoffnung.

Mit zahlreichen Gedenkfeiern zur Reichspogromnacht ist die Kultur des Erinnerns mit Leben gefüllt worden. Es ist unsere immerwährende Verantwortung, das Gedenken an den Schrecken des Holocaust und die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus wach zu halten. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus dürfen weder in Deutschland noch in Europa oder in anderen Teilen der Welt eine Chance haben. Wir müssen deshalb gemeinsam und entschieden bereits gegen die kleinsten Anzeichen rechtsradikaler und antisemitischer Tendenzen vorgehen. Das ist sowohl unsere Pflicht gegenüber den Opfern des Holocaust als auch unsere Verpflichtung für die Zukunft, damit sich so etwas nie wiederholt.

Die Gedenken an den Mauerfall umfasst immer beides: die Freude über den Sieg der Freiheit und das Erinnern an das Unrecht der SED-Diktatur. In unserer Gesellschaft sind Neigungen zu erkennen, die DDR in einem verklärten, sozialromantischen Licht zu sehen und dabei die brutale Unterdrückung zu vergessen. Auch hier müssen wir dem Vergessen und Verharmlosen entschieden entgegentreten. In meiner Verantwortung als stellvertretender Vorsitzender der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur möchte ich meinen Beitrag dazu leisten.

Gerade weil es uns heute in Deutschland als selbstverständlich erscheint, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, egal welcher Religion, Nationalität oder politischer Überzeugung, muss das Gedenken an den Holocaust und auch an die SED-Diktatur wach gehalten werden. Denn noch vor wenigen Jahrzehnten bedeutete „anders zu sein“, verfolgt, gefoltert und ermordet zu werden.

Die Voraussetzung für eine gelebte Kultur des Erinnerns ist ganz besonders eng mit dem Wissen über die Geschichte verbunden. Die Schule ist aus meiner Sicht der wichtigste Ort, um Geschichte und den Stolz auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung vermitteln und die Erinnerung an den Schrecken der NS-Diktatur und das SED-Unrecht wach zu halten. Dazu gehört auch, zu lernen, nicht zu schweigen sondern zu protestieren, wenn sich politischer Extremismus jeglicher Art in unserem Land breitmacht, um unsere freiheitliche und demokratische Grundordnung entschlossen zu verteidigen.