Reden

Florian Hahn
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Donnerstag, 26. Januar 2012
Außen-/ Verteidigungspolitik

Abzug bis 2014 ist nicht das Ende des internationalen Engagements

Rede zum ISAF-Einsatz

7.) Beratung BeschlEmpf u Ber Auswärtiger Ausschuss

zum Antrag Bundesregierung
Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an dem Einsatz der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe in Afghanistan (International Security Assistance Force, ISAF) unter Führung der NATO auf Grundlage der Resolution 1386(2001) und folgender Resolutionen, zuletzt Resolution 2011(2011) vom 12.Oktober 2011 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen

- Drs 17/8166, 17/8393, 17/8394 -

Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kolle­gen! Ich finde es schon bemerkenswert, dass der Kollege Ströbele zusätzliche Redezeit für sich und die Grünen beansprucht hat mit der Begründung, er teile das Ab­stimmungsverhalten seiner Fraktion nicht. Ich bin ge­spannt, ob Herr Ströbele dem Mandat nun zustimmen wird.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Agnes Brugger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer hat denn damit angefangen, welche Fraktion?)

Außerdem finde ich es bemerkenswert, dass die Linke hier in der Diskussion behauptet, sie spreche für das af­ghanische Volk. Mich würde interessieren, wie sie legiti­miert ist.

Vor ziemlich genau zehn Jahren hat die rot-grüne Bundesregierung den Einsatz am Hindukusch begonnen. Wir alle haben bei den jährlichen Verlängerungen des Mandats immer wieder die Frage gestellt, nach welchen Maßstäben der Einsatz durchzuführen ist, wo wir das Mandat anpassen müssen und wie die Perspektiven aus­sehen. Dabei gab es oft unterschiedliche Meinungen, aber es ist immer gelungen, einen breiten Konsens unter den Demokraten zu finden. Dass sich ausgerechnet heute, wenn wir den Abzug einleiten, Bündnis 90/Die Grünen ausklinken, finde ich, ehrlich gesagt, traurig. Zu­sammen rein, zusammen raus – ich dachte, das wäre auch hier die richtige Losung. Dies findet so nicht statt. Gestern im Ausschuss haben Sie kein Wort zu den Argu­menten, die heute vorgetragen wurden, gesagt. Sie woll­ten das Mandat offensichtlich nicht anders gestalten.

(Omid Nouripour [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ­NEN]: Über das Mandat haben wir die Woche vorher diskutiert! Es stand gestern nicht auf der Tagesordnung!)

Ich muss schon sagen: Da hätte ich mehr erwartet.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)

Unser Konsens lautete bisher – er bleibt richtig –: Dieser Einsatz ist notwendig. Er diente und dient dem Frieden, und er ist gleichzeitig ein starkes Signal gegen Unterdrückung und Terror. Gemeinsam mit unseren Bündnispartnern haben wir ein klares Ziel definiert und unser Handeln danach ausgerichtet. Wir wollen, dass aus einem geschundenen Land ein souveränes Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft wird. Wir wollen ein Bekenntnis gegen den Terror, gegen die Missachtung von Menschenrechten und zu Frieden und Gleichberech­tigung. Wir wollen mit unserem Einsatz zur Stabilisie­rung der gesamten Region beitragen.

Meine Damen, meine Herren, zur Erreichung dieses Ziels waren die vergangenen zwölf Monate von beson­derer Bedeutung. Unsere Strategie hat Wirkung gezeigt, und unsere Maßnahmen greifen. So war die Anzahl der Anschläge im letzten Jahr erstmals seit 2006 rückläufig. Vor allem im Norden hat sich die Sicherheitslage verbes­sert. Mehr als 300 000 afghanische Sicherheitskräfte wurden seit Beginn der Mission ausgebildet, die große Mehrheit davon erst in den letzten Jahren. Die Sollstärke von 352 000 Sicherheitskräften soll noch in diesem Jahr erzielt werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das auch erreichen.

Gleichzeitig wurden im letzten Jahr die ersten Provin­zen an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Die Übergabe ist für die Afghanen ein wichtiger Schritt in ihre Selbstständigkeit. In wenigen Wochen wird mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter dem Schutz afgha­nischer Kräfte stehen. Die Übergabe in Verantwortung an die Afghanen ist ein Prozess, der immer weiter fort­schreitet. Die Ergebnisse geben unserem Kurs recht. Un­sere Truppen und Verbündeten können darauf stolz sein. An dieser Stelle möchte ich all denjenigen danken, die hierzu beigetragen haben: Soldaten, Polizisten, zivilen Helfern und Diplomaten. Ich wünsche Ihnen allen wei­terhin Gottes Segen bei Ihrem Tun.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeord­neten der FDP)

Auf Basis des Erreichten nimmt der Abzug erstmals konkrete Formen an. Im nächsten Schritt werden wir das Mandat von 5 350 auf 4 900 Soldaten reduzieren. Je nach Sicherheitslage werden wir versuchen, diese Zahl weiter zu verringern. Hierbei dürfen wir uns jedoch nicht von einem starren Zeitplan treiben lassen. Wir müssen flexibel bleiben.

Entscheidend für einen Abzug muss immer die Lage vor Ort sein. Wir müssen beachten, dass der Abzug Kräfte und Köpfe bindet, beispielsweise im Bereich Lo­gistik, aber auch zum Schutz des Abzugs selbst. Zudem muss er in enger Absprache mit unseren Partnern und Verbündeten erfolgen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass auch unser Verteidigungsminister de Maizière solche Gespräche aktiv und selbst führt, um so beispielsweise beim Thema Air MedEvac im Norden die optimale Un­terstützung für unsere Soldaten zu sichern.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)

Für uns gilt: Das, was wir durch die internationale Ge­meinschaft für die Menschen in Afghanistan bisher er­reicht haben, muss verteidigt werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, nicht nur die Anzahl der Soldaten hat sich über die Zeit geändert, son­dern auch der Charakter des Einsatzes hat sich gewan­delt. Der Schwerpunkt liegt zunehmend auf der Ausbil­dung der Afghanen und auf dem zivilen Wiederaufbau. Wir werden zwar die Anzahl der Soldaten in Afghanis­tan reduzieren; jedoch werden wir das Engagement für die Ausbildung der Afghanen weiter erhöhen.

Die zivile Seite des Wiederaufbaus wurde auch finan­ziell bereits deutlich gestärkt. Dies werden wir weiterhin aufrechterhalten. Denn so schön, wie sich „Abzug“ an­hört, so sehr hat er auch ökonomisch negative Folgen für das Land. Es entfällt nämlich ein ganzer Wirtschafts­zweig. Das dürfen wir an dieser Stelle nicht vergessen.

Auf der Bonner Konferenz wurde deutlich, dass ein Abzug bis 2014 nicht das Ende des internationalen Engagements für Afghanistan bedeutet. Auch wenn der Einsatz in seiner jetzigen Form nach 2014 nicht mehr stattfinden wird, so lassen wir das Land Afghanistan und seine Menschen nicht im Stich. Auch Außenminister Westerwelle hat in der ersten Lesung betont: Wir bleiben für Afghanistan ein verlässlicher Partner und werden auch über das Jahr 2014 hinaus unserer internationalen Verantwortung gerecht.

In diesem Sinne danke ich Ihnen für die Aufmerk­samkeit und bitte Sie um Zustimmung zum vorliegenden Mandat.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)